Warmherzige Anfeuerung trotz viel frischer Luft

Leistungssportler und Hobbyrenner begeistert von der Atmosphäre

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 27.06.2011, von Frank Rieseberg

"Wir sind insgesamt hoch zufrieden", resümierte Otto Schlieckmann, der Präsident des MTV und Chef-Organisator des 25. Braunschweiger Nachtlaufes das Spektakel vom Freitagabend. "Es war alles in allem ein Erlebnis, das uns motiviert hat weiterzumachen", sagte Schlieckmann gestern. Seine Stimme wirkte schon wieder wie geölt, was nicht selbstverständlich ist, wenn man zwei Tage zuvor sieben Stunden lang im Team mit Ehefrau Agathe fast pausenlos die Großveranstaltung moderiert hat.

Manch ein Läufer der 10100 Starter beim größten Lauf-Spektakel Niedersachsens - beim Hannover-Marathon sind zwar deutlich mehr Menschen am Start, aber auch viele Inliner, Walker und andere Teilnehmer, die nichts direkt mit dem Laufen zu tun haben - hatte gestern allerdings noch lange nicht alle Blessuren der Strapaze auskuriert.

"Man macht eben immer wieder den gleichen Fehler, lässt sich von der Begeisterung der Zuschauer an der Strecke mitreißen und läuft viel zu schnell an", sagte selbst Katrin Bröger, die Siegerin des Sechs-Kilometer-Laufes und frühere beste Braunschweiger Läuferin. "Ich war vier Jahre hier nicht am Start. Es war ein schönes Gefühl, mal wieder mitgemacht zu haben", sagte die Läuferin, die inzwischen in der Klasse W40 startet.

Auch Heiko Baier, der ebenfalls für die LG/MTV Braunschweig lief und über sechs Kilometer die Männer-Konkurrenz klar gewann, betonte das besondere Erlebnis, beim Nachtlauf dabeizusein. "Die Zeit, die man läuft, ist doch egal. Man muss das einfach genießen. Und wenn man Hobbyläufer überrundet, dann sollte man das als Leistungsläufer behutsam tun. Es ist doch toll, dass so viele Menschen mitmachen." Dabei hatte Baier das seltene Vergnügen, die sechs Kilometer zweimal zu laufen. Vor dem Einzelstart war er im Mannschaftslauf mitgerannt - und hatte mit seinem Team gewonnen, war sogar schneller als beim zweiten Versuch.

Deutlich früher im Ziel als erwartet war ein anderer Sieger, der Beachtenswertes geleistet hat. Wolfgang Sump, für den der MTV eigens die Wettkampfklasse M80 eingerichtet hatte, blieb in knapp 42 Minuten für die sechs Kilometer acht Minuten unter seiner eigenen Vorgabe.

"Ich bin selbst erstaunt, wie gut es gelaufen ist", meinte der 80-Jährige, der zweimal die Woche regelmäßig trainiert und sich nicht erinnern kann, einen der bisherigen Nachtläufe verpasst zu haben. "Das Wetter war gut, nicht zu heiß. Frische Luft tut gut", meinte der Mascheroder nach der Siegerehrung rundum zufrieden, setzte sich aufs Fahrrad und fuhr nach Hause.

Die frische Luft hat allerdings am Rande der Laufstrecke für deutlich weniger Zuspruch gesorgt als im Vorjahr. Rund 10.000 Zuschauer verfolgten nach Polizei-Angaben die sieben Rennen, die anfangs empfindlich gestört wurden von einem Unwetter. Doch Weniger Zuschauer heißt nicht schlechtere Stimmung. "Rundrum haben uns die Zuschauer prächtig angefeuert", fand Sump.

Wolfgang Sump war mit 80 Jahren ältester Teilnehmer des Nachtlaufes.

 

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