Uwe Siebenhaar und die Eliteläufer

25. Nachtlauf, vom Anfang bis heute (Teil 2) - 15 Jahre lang gab es einen Extralauf für internationale Größen

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 09.06.2011, von Frank Rieseberg

 

Die Mischung aus Breiten- und Spitzensport machte über viele Jahre den Charme des Braunschweiger Nachtlaufes aus. 15 Jahre lang war der 10000-Meter-Elitelauf der Männer das sportliche Aushängeschild der Veranstaltung.

Schon 1987 bei der ersten Auflage des Nachtlaufes befanden sich namhafte Zugpferde in den Startlisten, nationale Ausnahmekönner und Kultfiguren der deutschen Leichtathletik wie Willi Wülbeck. Unvergessen seine Rennen, die vom Publikum lautstark mit "Willi-Willi"-Rufen begleitet wurden.

"Alle Topläufer waren von unserer Nachtlauf-Atmosphäre begeistert. Aber sie kritisierten auch, dass es wegen der Masse an Hobbyläufern sehr schnell zu Überrundungen kam, damit der Überblick über das eigene Rennen und die härtesten Konkurrenten völlig schwand. Das hat uns dann 1991 zur Entscheidung gebracht, den Elitelauf als eigenes Rennen einzuführen", erinnert sich Otto Schlieckmann, der Präsident des MTV.

Mit "wir" meint Schlieckmann neben sich vor allem Uwe Siebenhaar. Der Braunschweiger Geschäftsmann war bereits Ende der 1970er Jahre begeisterter Anhänger der Volkslauf-Szene und als Mitglied des MTV treibende Kraft für den Südsee-Lauf, der jahrelang auch Siebenhaar-Lauf hieß. Bis zu 1000 Teilnehmer nahmen an diesen jährlichen Rennen teil. Und eine Handvoll Starläufer war auch immer dabei. So sammelte Siebenhaar Kontakte, die ihm später als Organisator des Elitelaufes zugute kamen.

Bis zu 25 Mann stark waren die Felder in diesem Rennen der Nachtlauf-Stars. Und Siebenhaar hatte sie alle verpflichtet, dafür ein eigenes Budget zur Verfügung, das über Sponsoren abgedeckt war. Waren anfangs deutsche Ausnahmeläufer die Zugpferde, trugen später europäische Toprenner die Favoritenrolle. Doch der stete Drang, alles noch besser und sportlich anspruchsvoller machen zu wollen, führte schließlich zum Aus für den Elitelauf, der 2005 letztmals über die Bühne ging.

"Als wir über Europa hinaus gingen und immer mehr unbekannte, aber sehr schnelle Läufer aus Nordafrika den Sieg unter sich ausmachten, war es immer schwerer, deutsche und europäische Topleute für einen Start bei uns zu begeistern", erklärt Schlieckmann. "Und am Ende hat der Elitelauf die Massen eben nicht mehr so begeistert wie einst. Deshalb haben wir ihn dann abgeschafft und die Schülerläufe ins Leben gerufen", so der MTV-Boss.

Trotzdem bleiben die Eliteläufe mit Weltmeisterschafts- und Olympiateilnehmern und vor allem sein Macher Uwe Siebenhaar unvergessen. Mit seinem smarten Auftreten, aber auch mit seiner impulsiven Art, die Rennen zu begleiten, hat er sich ins Gedächtnis der Lauffreunde festgesetzt.

Uwe Siebenhaar starb 2002 völlig überraschend mit 54 Jahren in seiner Wahlheimat Spanien.