Von Farbtupfern und Pfützenstapfern

Die Nachtlauf-Veranstaltung schrieb vom Start weg eine Erfolgsgeschichte - Erinnerungen an 1987 und 1988

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 27.05.2011, von Frank Rieseberg

 

"Dem MTV glückte eine zu Recht bejubelte Premiere", titelte unsere Zeitung auf der Sportseite am 15. Juni 1987. Und der Bericht endete mit dem Fazit: "Der MTV Braunschweig hat im Jahre seines 140-jährigen Bestehens den Versuch gewagt, das Sportangebot dieser Stadt um einen attraktiven Farbtupfer zu bereichern. Dieser Versuch ist gelungen, viel besser sogar, als mancher Skeptiker vorher glauben mochte."
Schon damals beim 1. Braunschweiger Nachtlauf säumten 30.000 Zuschauer den Rundkurs in der Innenstadt. Angeboten wurden zwei Läufe, einer über 6.100 Meter und einer über 12.100 Meter. Die ersten Sieger hießen Peter Krause und Ralf Salzmann. Letzterer war seinerzeit eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Langlauf-Szene. Der fünffache nationale Marathon-Meister nahm 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul am olympischen Marathonlauf teil - und zwischendrin auch am Braunschweiger Nachtlauf.
Zu Salzmanns stärksten Gegnern zählte auch Mittel- und Langstrecken-Ass Thomas Wessinghage. Der deutsche Leichtathlet des Jahres 1981 musste allerdings während des Laufes mal kurz ins Gebüsch. Mehr als Rang fünf war dann nicht mehr drin für ihn. Aber er lobte die Braunschweiger: "Eine großartige Veranstaltung, ein tolles Publikum und eine Superstimmung."
Superlative, die nicht nur die Asse in all den Nachtlauf-Jahren immer wieder zu Höchstleistungen trieb. Von der besonderer Atmosphäre ließen sich bis heute auch Tausende von Hobbyläufern erst motivieren und später ins Schwärmen bringen.
Selbst schlechtes Wetter hatte nie eine Chance, die gute Laune zu verderben. Wie bei der 2. Auflage des Nachtlaufes 1988, als Salzmann Zweiter wurde und sagte: "Es macht einfach Pfundsspaß, so richtig durch die Pfützen zu stapfen." Und Frauen-Siegerin Charlotte Teske erklärte, warum sie Nachtläufe liebt: "Wenn du die Schatten vorbeihuschen siehst, sieht alles viel schneller aus, als es in Wirklichkeit ist."
Für die prächtige Stimmung im Publikum hatte zuvor nicht zuletzt Peter Krause über die kurze Distanz mit seinem erneuten Sieg gesorgt.