Geschichte des Nachtlaufs
Am Freitag, den 12. Juni 1987 fand der 1. Braunschweiger Nachtlauf um den Karstadt-Pokal statt. Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums hatte der MTV beschlossen, sich selbst und auch der Stadt Braunschweig ein Geschenk zu machen und einen Citylauf zu etablieren, den es in dieser Form noch nicht gab. Im Gegensatz zu den meisten Laufveranstaltungen sollte der Lauf am Abend stattfinden und bis in die Nacht hineingehen, um den Läufern mal eine ganz andere Laufkulisse zu bieten.
Der erste Lauf wurde mit maximal 1.500 Teilnehmern geplant. Zur Auswahl standen zwei Strecken – 6.100m und 12.030 m. Der erste Start fand um 20 Uhr statt, wobei die Startpistole Aufsehen erregend mit einem Fallschirmspringer des USC auf den Bohlweg getragen wurde.
Die Ankündigungen vor dem Lauf in der Presse verhießen Spannung und gute Leistungen: Ein hochkarätiges Starterfeld hatte der MTV dank vieler Sponsoren zusammenbekommen. Neben dem belgischen Olympia-Silbermedaillengewinner Karel Lismont und dem Ex-Europameister Thomas Wessinghage standen auch der mehrfache Marathonmeister Ralf Salzmann und der mehrfache Deutsche Meister Manfred Orthmann sowie weitere deutsche Spitzenläufer auf der Startliste.
Als Lokalmatador stand MTV-Athlet Peter Krause auf der Favoritenliste für den 6km-Lauf, den er auch sicher für sich entschied und damit gleich zu Beginn bei den Zuschauern für Stimmung sorgte.
Diese Laufelite lockte nicht nur rund 30.000 Zuschauer in die Innenstadt, sondern auch 450 Läufer im 6km-Lauf und 700 Läufer im 12km-Lauf. Aus allen Altersklassen waren Teilnehmer vertreten, die jüngsten Starter waren gerade mal sieben Jahre alt, der älteste Starter bereits 86 Jahre.
Auch das Rahmenprogramm konnte sich sehen lassen: Den Auftakt bildete ein Husky-Rennen und zwischen den beiden Läufen gab es eine Hindernisstaffel mit Prominenten.
So wurde der 1. Braunschweiger Nachtlauf ein Erfolg, von dem überregional geschwärmt wurde – nicht nur das hochkarätige Starterfeld wurde gelobt, sondern besonders auch die Stimmung der Zuschauer rund um die Strecke.
Von da an schrieb der MTV mit seinem Nachtlauf Erfolgsgeschichte. Beim 2. Nachtlauf waren bereits 1500 Läufer am Start und beim 3. starteten 1952 Athleten.
Um den steigenden Läuferzahlen gerecht zu werden, wurde 1994 ein 3km-Lauf neu eingeführt. Damit konnten auch Läufer, die sich die 6km nicht zutrauen, für den Nachtlauf gewonnen werden. Gleichzeitig wurden die Spitzenläufer in einen eigenen Lauf ausgegliedert. Der Elitelauf wurde auf einem 10km-Rundkurs gelaufen und in den darauffolgenden Jahren von Kenianern und anderen Spitzenläufern dominiert.
Wegen der stetig steigenden Läuferzahlen und dem räumlich (und auch zeitlich) begrenzten Rahmen, wurden Startplätze beim Nachtlauf immer begehrter. Da die Streckenführung in der Innenstadt den dort vorherrschenden baulichen Gegebenheiten folgen musste und der Lauf zudem um Mitternacht zu Ende sein muss, waren auch die Startkontingente begrenzt. Oft waren daher bereits Wochen vorher alle Läufe ausgebucht. Um diesem Ansturm gerecht zu werden, stellte der MTV 2006 den Elitelauf ein und führte einen weiteren 6km-Lauf ein, der heute als Mannschaftslauf bekannt und geschätzt ist. Viele Unternehmen aus Braunschweig und der Region beteiligten sich häufig mit ihrer gesamten Belegschaft. Sie treten in einheitlichen Trikots auf und haben im Vorfeld zusammen trainiert.
Eine weitere Neuerung war der 3km-Schul-Mannschaftslauf, der auf gute Resonanz stieß. Zahlreiche Schulen aus der Region nutzen die Gelegenheit, mit ihren Schülern an dem Lauf teilzunehmen. Inzwischen gibt es einen Lauf für Grundschulen und einen für weiterführende Schulen. Den teilnehmerstärksten Schulen winkt in jedem Jahr ein Geldpreis der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg.
Der 21. Nachtlauf 2007 war eine Premiere: Der langjährige Organisator Peter Müller gab das Ruder weiter an den neuen MTV-Geschäftsführer Jörg Diekmann und zog sich aus der aktiven Organisation zurück. Außerdem knackte die Starterzahl erstmals die 8.000-Marke, Tendenz weiter steigend.
All das wäre der Nachtlauf aber nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der rund 200 ehrenamtlichen MTV-Mitglieder, die in der Vorbereitung und am Abend des Laufs wichtige Aufgaben bei der Startnummernausgabe, auf der Strecke und im Ziel haben und vom Lauf an sich meist nicht viel mitbekommen.



